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Ist das Kunst oder kann das weg?

Es hat schon eine innere Metamorphose durchgemacht. Erst KHW- Verwaltung, Harmona, dann Arbeitsamt, Agentur Ready und jetzt Ruine. Jetzt hat es ein Graffiti bekommen, ein richtig großes. Es scheint kein bekanntes "Hall of Fame"-Piece eines überregional bekannten Writers zu sein, sonst gäbe es wahrscheinlich Dokumentationen. Die gibt es nicht. Das Piece wirkt stilistisch wie aus der Leipzig-/Chemnitz-/Zwickau-Szene.

 

Interessant auch der Kontrast:

Ein Gebäude, das jahrzehntelang für Präzision, Handwerk und Musik stand, trägt heute ein großflächiges Graffiti. Für viele dürfte das den Wandel des Ortes symbolisieren – vom identitätsstiftenden Industriebetrieb, der ca. 3500 Mitarbeiter beschäftigte, bis zum Leerstand. Jetzt wächst es aus der Esse heraus, auch nicht schön.

Und schon hat der Sprayer etwas erreicht. Es wird darüber geredet und geschrieben. Also ist es dann wohl doch Kunst, zugegeben, jetzt nicht ganz so schön. Die Schrift könnte sich als „SHICE“, „SHICEY“ oder „SHINE“ lesen lassen – sicher ist das aber nicht. Sprayer verfremden die Buchstaben gerne mal. Die Signatur endet wohl mit BOYZ, Außerdem Lässt sich noch STLX bzw. STIX lesen. Man kann vermuten, dass es sich hier um den Teil einer Story über Lost Places handelt. Ob man hier auf den Niedergang von Klingenthal aufmerksam machen will, ist reine Spekulation. Denkbar ist es aber.

 

Wir wissen, dass wir nichts wissen und deshalb wissen wir viel

... und da wären wir bei der Philosophie.

 

Der Satz ist eine bekannte philosophische Paradoxie und spielt auf ein berühmtes Zitat des Sokrates an.

Sokrates wird häufig mit dem Gedanken verbunden:

„Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

Der Satz erweitert diese Idee:

„Wir wissen, dass wir nichts wissen – und deshalb wissen wir viel.“

Die Aussage dahinter ist:

Wer erkennt, dass das eigene Wissen begrenzt ist, ist offen für Neues.

Wer glaubt, bereits alles zu wissen, hört auf zu lernen.

Das Bewusstsein der eigenen Unwissenheit ist selbst eine Form von Erkenntnis – und damit ein Zeichen von Weisheit.

In der Philosophie ist das ein zentraler Gedanke:

Wahre Erkenntnis beginnt mit intellektueller Bescheidenheit.

Der Satz könnte deshalb auch so formuliert werden:

„Wer weiß, dass sein Wissen begrenzt ist, weiß mehr als derjenige, der seine Unwissenheit nicht erkennt.“

Es ist ein schönes Paradox: Das Eingeständnis des Nichtwissens macht uns nicht ärmer, sondern reicher an Erkenntnismöglichkeiten.

 

Fangt damit an, was Ihr wollt.

OvG