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Steigende Prämien: Wird der Elementarschaden-Schutz zum Luxusgut?

Massive Kostensteigerung bei der Allianz: Verbraucherzentrale fordert Versicherungspflicht und ruft Betroffene zur Meldung von Fällen auf
 
Für Eigenheimbesitzer*innen in Sachsen könnte der Versicherungsschutz vor Naturgefahren zunehmend in eine finanzielle Sackgasse führen. Die Verbraucherzentrale Sachsen beobachtet mit großer Sorge, dass Versicherer ihre Prämien drastisch erhöhen und sich so faktisch aus Risikogebieten zurückziehen könnten. Sie fordert eine gesetzliche Versicherungspflicht gegen Naturgefahren und ruft betroffene Hausbesitzer*innen dazu auf, ihren

Fall bei der Verbraucherzentrale Sachsen zu melden.

Kündigungen betreffen vor allem Regionen mit hohem Risiko
Sachsenweit melden sich Hausbesitzer*innen bei der Verbraucherzentrale Sachsen, deren Wohngebäudeversicherung durch die Allianz ordentlich gekündigt wurde bzw. denen eine Kündigung angedroht wird. Damit könnte für sie der Schutz gegen Naturgefahren wie Hochwasser oder Starkregen entfallen. Besonders brisant: Die Kündigungen betreffen vor allem Regionen mit hohem Risiko – dort ist es für Verbraucher*innen oft kaum möglich, einen neuen Vertrag abzuschließen.  

Ein Fall aus Dresden verdeutlicht die Preisspirale: Ein Verbraucher, dessen Haus 2008 errichtet wurde und seit 2019 bei der Allianz versichert ist, soll künftig rund 3.400 Euro jährlich für seine Wohngebäudeversicherung zahlen – statt bislang etwa 645 Euro. Sollte er das neue Angebot nicht annehmen, wurde ihm die Kündigung des bestehenden Vertrags in Aussicht gestellt. Obwohl dem Versicherer die Hochwasserereignisse von 2002 und 2013 bereits bei Vertragsabschluss bekannt waren, verfünffacht sich die Beitragsforderung damit auf einen Schlag.

„Gefährliche Tendenz zur Rosinenpickerei“
 „Eine solche Beitragssteigerung kommt faktisch einer Kündigung gleich, da diese Kosten für die meisten Haushalte schlicht nicht mehr tragbar sind“, erklärt Paul Huber, Referent für Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Sachsen.

Die Verbraucherzentrale Sachsen sieht darin eine strategische Positionierung der Allianz im Zuge der aktuellen Debatte um eine Reform der Elementarschadensversicherung. „Wir befürchten, dass sich diese Fälle häufen und sehen erste Indizien dafür, dass es bereits zu mehr Kündigungen gekommen sein könnte“, so Paul Huber weiter.

„Wir beobachten eine gefährliche Tendenz zur Rosinenpickerei: Unliebsame Risiken werden abgestoßen, während die Verbraucher*innen ohne Schutz dastehen. Wir brauchen jetzt eine Lösung, die für alle bezahlbar bleibt und niemanden ausschließt“, sagt Paul Huber.

Bezahlbarer und verlässlicher Versicherungsschutz
Um einen verlässlichen und bezahlbaren Schutz zu gewährleisten, fordert die Verbraucherzentrale Sachsen die Einführung einer gesetzlichen Versicherungspflicht. Diese muss folgende Kernpunkte enthalten:

  • Kontrahierungszwang: Versicherer müssen verpflichtet werden, jedes Gebäude unabhängig vom Standort zu versichern.
  • Bestandsschutz: Keine unverhältnismäßigen Beitragssteigerungen für bereits Versicherte.
  • Bezahlbarkeit: Risikodifferenzierte, aber sozial verträgliche Prämien.
  • Gerechter Verteilungsalgorithmus durch Solidarumlage über die Versicherungsprämie.
  • Gesetzlich definierter Leistungsumfang von Elementarschadenversicherungen.
  • Staatliche Stop-Loss-Absicherung für Versicherer: Übernahme von Spitzenrisiken durch den Staat bei extremen Katastrophenfällen.
  • Präventionsanreize: Belohnung von Schutzmaßnahmen am Gebäude durch niedrigere Prämien.
  • Beendigung ungesteuerter staatlicher Ad-hoc-Nothilfen für Individualschäden.

Damit schließt sich die Verbraucherzentrale Sachsen den neuesten Empfehlungen des Policy Briefs „Versicherung gegen Elementarschäden” des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen an.

Verbraucheraufruf: Verbraucherzentrale sucht Fälle betroffener Hausbesitzer*innen
Um das Ausmaß dieser Entwicklung sichtbar zu machen, bittet die Verbraucherzentrale Sachsen betroffene Hausbesitzer*innen um Unterstützung. Den Verbraucherschützer*innen liegen bereits Meldungen zur Allianz vor, betroffen sein können jedoch auch Kund*innen anderer Versicherungsunternehmen.

Gesucht werden Fälle von gekündigten Elementarschadenversicherungen oder neuen Angeboten mit massiv gestiegenen Beiträgen. Ziel ist es, den Rückzug von Versicherern aus Risikogebieten und die damit verbundenen Kostensteigerungen belastbar zu dokumentieren und politischen Handlungsdruck zu erhöhen.

Betroffene werden gebeten, ihr Kündigungsschreiben, das neue Versicherungsangebot sowie die ausgefüllte Datenschutzerklärung (persönliche Daten können geschwärzt werden) per E-Mail an [email protected] zu senden.

Alle Informationen auf einen Blick gibt es hier:
verbraucherzentrale-sachsen.de/aufruf-elementarschaden