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Historisches zur Städtepartnerschaft

Um die Zeit 1971 richtig einzuordnen, einige Tatsachen.

Alexander Dubcek, der Präsident der ČSSR, proklamierte den sogenannten Prager Frühling. Das ging den sowjetischen Machthabern aber zu weit. Sie beschlossen 1968 in Prag einzumarschieren und  das Ansinnen zu beenden. Ich selbst war mit meiner Familie betroffen, weil wir über die ČSSR nach Ungarn in Urlaub fahren wollten. Über die Graslitzer Straße war das sowieso nicht möglich, da die Straße durch eine defekte Brücke in Markhausen angeblich  nicht befahrbar war. Als die Panzer und mit den Russischen Soldaten jedoch einmarschierten war die Brücke in Ordnung. Als Ausweg war nur die Einreise über die Sowjetunion möglich, weil die Grenze zur ČSSR geschlossen war. Die neuen Bedingungen zogen sich bis 1971 hin. Erich Honecker ersetzte Walter Ulbricht und machte neue Politik. Die halbstaatlichen Betriebe und PGH wurden auf Befehl der DDR Regierung, in VEB Betriebe umgewandelt. Das war  bis 1972 vollzogen. Noch 1971 erlaubten die „Viermächte“ dass die DDR mit der BRD einen Vertrag über die weitere Zusammenarbeit abschließen können. Zu der Zeit scheint es möglich gewesen zu sein, einen Partnerschaftsvertrag mit Graslitz abzuschließen. Den Text kenne ich aber nicht. Erst am 30. Juni 1991 ist die Grenze wieder für Fußgänger freigegeben worden. Ein weiterer Höhepunkt war im Jahr 2000 das EXPO Projekt „Eiserne Brücke“ mit dem Lückenschluss der Bahnlinie nach Tschechien.

All diese Schwierigkeiten schadeten aber den freundschaftlichen Beziehungen zu den tschechischen  Nachbarn nicht. Der Grenzübergang in Schönberg war offen. Musiker, Sportler und Touristen pflegten Freundschaften. Schon 1966 gewannen die Schüler unter dem Trainer Heinrich Hännl auf Einladung eines Eishockeyturniers in Sokolov unter 24 teilnehmenden Mannschaften den sensationellen 2. Platz. Besonders die Eishockey Männermannschaft von Dynamo Klingenthal pflegte den Spielkontakt mit dem Eishockeyland Tschechei. Die erste Begegnung fand in Klingenthal 1970 statt. Lokomotive Bilin war der Gegner, welche auch die Begegnung gewannen. Als 1972 die Förderung der zentralen Leitung  ausfiel, begannen die Eishockeyer sich mit dem Eisfasching weiter zu finanzieren. Ab 1979 bis zur Wende hatten wir freundschaftlich Beziehung zu der Eishockeymannschaft von Masokombinat Kladno. Auch 1979 wurden die Klingenthaler Schüler Bezirksmeister. 1981 wollten wir bei einer weiteren Einladung nach Kladno  besonders freundlich zur traurigen tschechischen Geschichte sein. In der Nähe von Kladno befand sich das Dorf „Lidice“, welches die Nazis niederbranden. Lidice ist heute eine Gedenkstätte. Wir wollten gemeinsam mit den Tschechen die Opfer mit einem Kranz ehren. Da gehen wir nicht hin“, war die lakonische Antwort der Tschechen. Mit der Wende 1989 sind die Beziehungen abgebrochen. In der neuen Zeit haben sich jedoch neue Verbindungen mit Tschechien ergeben. Tschechische Eishockeyspieler verstärkten die Klingenthaler Mannschaft die bis zuletzt als EHV Klingenthal antraten. Als TJ Karlovy Vary tschechischer Meister wurde, sollte auch unsere Nachbarstadt Graslitz Nachwuchszentrum werden. Ein Gelände für eine Eishalle war schon gefunden. Unser Verein, der ja inzwischen ohne Eistadion dastand, wäre dabei gewesen. Aber der Sponsor, das Bergbauunternehmen, sprang ab. Inzwischen führen die die Hobbyfußballer die Freundschaften weiter. 

Klaus Grimm