Arno Glaß hatte als Jugendlicher Arbeitersportler am 26. Dezember 1932 das erste Eishockeyspiel in Klingenthal gesehen. Auf der Wiese hinter dem heutigen Eisstadion wurde damals eine Eisfläche hergerichtet. Das Spiel einer sächsischen Kreisauswahl gegen den Berliner Arbeitersportverein endete 6:1. Das mag wohl der Auslöser gewesen sein, dass Arno Glaß (Hansmichel Arno) nach dem Krieg die Eishockeysportart in Klingenthal einführen wollte. Als Turnübungsleiter und Lehrausbilder in dem VEB Schnittwerkzeuge und Metallwarenfabrik konnte er genug Jugendliche für das Vorhaben begeistern. Hinter dem Mühlteich in Brunndöbra fand er dafür das Gelände. 1952 begann das Anlegen einer kleinen Eisbahn mit gerade mal 20 x 20 Meter Fläche. 1953 begannen die Planungen für die zentrale Spartakiade der SV Motor. Ein Eishockeyturnier sollte auch dabei sein. Also wurde eine Normfläche von 30 x 60 Meter von den Lehrlingen der VEB Schnitt- werkzeug und Metallwarenfabrik errichtet. Geld- und Materialman- gel ließen aber keine regelgerechte Bande zu. So begnügte man sich mit einer 25 cm hohen Bretterumrandung und mit festgestampften Schnee.
Im Februar 1954 war Stadionweihe mit dem Eishockeyturnier der Mannschaften von Motor Treptow, Motor Zwickau, Motor Annaberg- Buchholz und der Humboldt Uni Berlin. Durch den großen Erfolg der Veranstaltung versprachen die Verantwortlichen eine Eishockey- Ausrüstung zu spendieren. Als die Lieferung ausgepackt wurde waren jedoch keine Schlittschuhe und Stutzen dabei. Für den Torwart befand sich eine Landhockeyaus- rüstung dabei. Schlittschuhe wie sie heute gängig sind, gab es nicht. Arno Glaß hatte aber ein Paar CCM Komplets aus der Vorkriegszeit. Diese wurden mit Gattersägenstahl und Arbeitsschuhe nachgebaut. Das erste Spiel fand in Eibenstock statt. Mit 20:1 Toren war die Niederlage wohl recht hoch, wobei der Gegner beim Ehrentor etwas mithalf. Ein Jahr später fanden die Eiskunstlaufmeisterschaften des Bezirkes in Klingenthal statt. Natürlich musste eine hohe Bande her. Material war aber noch immer knapp. Also ließ Arno Glaß Zaunsäulen setzen und Zaunlatten dicht an dicht annageln. Bei der Abnahme lehnte man diese Vari- ante ab. Kurzfristig sprang der VEB Holzhausbau mit der Lieferung von Brettern ein welche dann längs drübergenagelt wurden.
Große Veranstaltungen lockten bis zu 3000 Zuschauer an, Die Eisrevuen „Berlin einst und jetzt“, die „Polarsterne“ unter Anderen mit der jungen Jutta Müller als „Tango Max“ waren Anziehungspunkt für die ganze Familie. So kam es, dass über 100 Kinder beim Eislauftraining von den Übungsleiterinnen Hertha Mülle und Liselotte Meinel betreut werden mussten.
1957 wurde der Sportclub Dynamo gegründet. Die Gründer dachten an einen allumfassenden Sportbetrieb. Deshalb wurden die Fußballer und die Eishockeymannschaft mit auf genommen. Die Eishockeysektion wurde Nachwuchsförderung für Dynamo Berlin. Heinrich Hännl erhielt eine Trainerstelle und dele- gierte einige Talente nach Berlin. Beim Bau der Aschbergschanze wurden auch Häftlinge vom 17. Juni 1953 eingesetzt. Einige davon errichteten eine Mauer am Eissta- dion um künftig mit einem Becken besseres Eis zu bekommen. Was aber nicht gelang. Schon kamen Gerüchte auf die in Crimmitschau geplante Kunsteisbahn in Klingenthal zu bauen.
Beim Bau des neuen Beckens gab es einen bemerkenswerten Zwischenfall. Zur Planierung der Spielfläche wurde eine russische Planierraupe von der Wismut aus Schnecken- stein angefordert. Bei Beginn der Arbeiten versank die Raupe bis zum Dach im morastigen Boden. Aus eigener Kraft war eine Bergung nicht mehr möglich. Eine zweite Raupe konnte das Gerät mit Mühe retten. Schon die Schilderung dieses Malheurs lässt den ungün- stigen Untergrund für ein dichtes Becken erahnen.
Nach Fertigstellung der Mauer wurde eine nicht mehr gebrauchte Bande aus der Werner-Seelenbin- der-Halle montiert. Diese erfüllte ihren Zweck bis zum Bau des Kunsteisstadions 1998. Das nun vorhandene Becken hielt das Was- ser nicht. Der ständige Zufluss hielt das hintere Drittel offen. Der Wunsch nach einem Kunsteissta- dion wurde immer lauter. Trotz dieser ungünstigen Voraussetzungen konnten hervorragende Leistungen erbracht werden. Im Schüler und Jugendbereich stehen Turniererfolge auch in Tschechien zu Buche. Die Männer wurden 1963 DDR-Meister der Natureisbahn- mannschaften. Gute Ergebnisse gab es auch zu den DDR-Besten-Er- mittlungen. Fünf Sportler wurden zu Dynamo Berlin delegiert. Zwei davon, nämlich Jürgen Schmutzler und Heinz Pöhland, brachten es bis in die Nationalmannschaft. Die Bereitstellung von Material- und Fahrtkosten ermöglichte eine gute Entwicklung der Sektion. Aber 1970 kam der Beschluss, dass Eis- hockey nicht mehr zu Olympischen Spielen gemeldet wird. Die Mittel für Klingenthal wurden gestrichen. Uns wurde nahegelegt, die Sektion aufzulösen, Was war zu tun?
Um weiterhin Förderung aus Berlin zu bekommen wurde eine Eisschnelllaufsektion gegründet. Ernst Erbeck, Herbert Körner und Erhard Kunis betreuten die Kinder. Um die Kosten für Ausrüstung, Schläger und Fahrten zu decken, begann die Sektion Eishockey, die jetzt zur SG Dynamo gehörte, mit dem Eisfasching 1973 startete die erste Ausgabe mit einem Umzug durch Brunndöbra. Annähernd 1000 Zuschauer fanden sich an- schließend auf der Eisbahn ein. Ein Jahr vorher wurde die Idee von Manfred Thoma geboren. 1972 war aber Tauwetter und das Becken voll Wasser. Kurzerhand besorgte Manfred Thoma 2 Boote vom Gondelteich Bad Elster. „Gondeln statt Eislauf“ war das Motto. Über Nacht gingen die Boote unter und aus dem Gaudi wurde nichts. Es folgten viele Jahre die legendären Faschingbälle in der Turnhalle Brunndöbra. Um die Frauen ins Vereinsleben einzubeziehen grün- deten wir das Faschingsballett mit eigener Choreografie und selbst geschneiderten Kostümen. Die Abrechnung musste über Dynamo gehen, da eine Nebenkasse nicht er- laubt war. Die Aufregung in Berlin war groß als in der Jahresabrech- nung neben Ausbaumarken und Beitrag einige Fässer Bier, hunderte Flaschen Spirituosen und Wein verrechnet waren. Für die Deko- ration sorgte Friedrich Herold (Fit) dem auch die Ausgestaltung der Umzüge am Herzen lag.
Zurück zum Eishockey. Zu je- ner Zeit war das Werben für die Sportart Eishockey in den Schulen untersagt. Trotzdem war der Zu- lauf gut und ein Ärgernis für den örtlichen DTSB, der Nachwuchs- sorgen für den Skisport hatte. Der Ausbau und die Pflege der Anlage oblag den Mitgliedern der Sektion. Als erstes Gebäude entstand die hintere Baracke. Sie wurde aus Abbruch-Material der ehemaligen Buswartehalle an der Wettinstraße errichtet. Das vordere Sozialgebäude war als Maschinenhaus für das künftige Kunsteisstadion geplant. Der da- malige Stadtkämmerer Max Körner war als Brunndöbraer dem Eissport zugetan. Die Arbeiten wurden mit Aufbau-Stunden verrechnet. Warum aus dem Maschinenhaus ein Sozialgebäude wurde lesen Sie in der 2. Folge. Aufgrund der Menge an Material haben wir uns entschlossen den Bericht zum 60- jährigen Bestehen des Eisstadion in Fortsetzung zu veröffentlichen. KG
Teil 2
Die Volkseigenen und Halbstaatlichen Betriebe hatten einen Kultur- und Sozialfonds. Über die Verwendung der Mittel konnten sie selbst verfügen. Die Betriebsleiter fanden die Idee einer Kunsteisbahn in Klingenthal unterstützenswert und gaben was sie konnten. So kamen ca. 40000,- Mark der DDR zusammen. Damit konnten die ausgebauten Verdichter aus dem Karl-Marx-Städter Küchwald-Stadi- on nach Klingenthal geholt werden.
In der Zwischenzeit projektierte Rudolf Hüttel das Maschinenhaus. 1973 erfuhr die SED-Kreisleitung von der Aktion. Am 18. Mai 1974 fand ein Gespräch in der SED- Kreisleitung statt. Mit dabei war Harry Fugmann, Heinz Gabler, Siegfried Schramm, Bürgermeister Vogtmann und Klaus Grimm als Sektionsleiter. Sinngemäß wurde entschieden: Wozu die Betriebe Geld geben dürfen, entscheidet nicht der Betrieb, sondern die Partei.
Die eingelagerten Verdichter wurden an eine Brauerei verkauft. Inzwischen war das Maschinen- haus schon im Bau. Der Umbau als Sozialgebäude war die Alternative. Wieder wurde in Eigenleistung die Bauarbeiten ausgeführt. Die Dachschalung wurde aus Abbruchmaterial von den Umkleidekabinen des Sachsenberger Freibades gewonnen. Nach Fertigstellung standen jetzt wenigstens Duschen, Mannschafts- räume, Toiletten und Heizhaus mit Werkstatt zur Verfügung. Jetzt konnte auch an internationale Begegnungen gedacht werden. 1981 begannen die freundschaftlichen Begegnungen mit der Eishockey Mannschaft von TJ Masokombinat Kladno. In dieser Mannschaft spielten ehemalige Spieler der Oberliga Poldi Kladno. Leider konnten wir in Klingenthal nicht oft spielen, da die Eisverhältnisse es nicht zuließen.
Mit der Wende verlor sich die Verbindung. Was kurz vor und nach der Wende geschah
lesen Sie in der 3. Folge.
In den 80er Jahren führte man die Bezeichnung „ Mehrzwecksportanlage“ im Ortsteil Klingenthal 2 ein. Damit war es der Stadtverwaltung möglich Investitionen in eigener Regie zu tätigen. 1987 Begann ein neuer Anlauf zur Errichtung einer Kunsteisbahn. 80000 Meter Präzi- sionsstahlrohr wurde beschafft und die Projektierung bei der MAFA Halle in Auftrag gegeben.
Dann kam der 10.11.1989. Die Wende. Die Grenze war offen. Es war Freitag. Die Mitglieder der Sektion Eishockey waren gerade dabei in der Turnhalle Brunndöbra ihre jährliche ausverkaufte Faschingseröffnung zu feiern. Aber es kam Niemand. Erst spät abends kehrten die ersten Westbesucher zurück, mit wehenden Fahnen, und dem Deutschlandlied auf den Lippen. Im neuen Stadtrat hatte man andere Dinge zu tun, als eine Kunsteisbahn zu bauen. Der damalige Stadtrat, Peter Seyfert, stellte den Antrag auf Überprüfung. Es müsse erst einmal geklärt werden, ob die vorhandenen Rohre überhaupt geeignet seien. Das sächsische Wirtschaftsministerium signalisierte die Unterstützung für den Bau einer Kunsteisfläche. Der Stadtrat mit Bürgermeister Herold favorisierten jedoch den Wiederaufbau der Aschbergschanze. So kam die Kunsteisbahn ins Vergessen. Inzwischen lag die Rech- nung der Projektierung der MAFA Halle vor. 40000,-Mark sollten die Unterzeichner des Vertrages bezahlen. Jürgen Schmutzler und Klaus Grimm hatten im Vorgriff den Vertrag signiert. Die Stadt lehnte ab. Im Zuge der Abwicklung der Volkseigenen Betriebe durch die Treuhand verschwand auch die MAFA Halle, samt Rechnung. Jahre vergingen, die Rohre rosteten und wurden letztendlich verschrottet. Unter Bürgermeister Dr. Günter Kunzmann wurde ein neues Projekt erstellt und in die Tat umgesetzt. 1998 war es dann soweit. Harald Fuchs übernahm die Anlage für den 1. FEV Brunndöbra. 9 Jahre betrieb der Verein kostenfrei für die Stadt die Kunsteisbahn. Als eine größere Reparatur anstand, musste der Verein Insolvenz anmelden. In dieser Zeit wurde hervorragender Sport geboten und die Fans waren begeistert.
Den Weiterbetrieb nach der In- solvenz sicherte die Stadt mit dem neuen Verein EHV Klingenthal ab. 2008 kam das Ende. Ein vermeintlicher harmloser Brand im Maschinenhaus beendete die Existenz des Kunsteisstadions. Eine Reparatur war nicht möglich. Das hoffnungsvolle Nachwuchs- training konnte nicht mehr durchgeführt werden. Die Freizeit- Eishockeyspieler mussten nach Schönheide ausweichen. Ohne eine eigene Kunsteisfläche wird wohl der Eissport in Klingenthal eingehen, wenn nicht ein Wunder geschieht. Nun ist wenigstens, durch Bür- gerinitiative, eine neue Bande entstanden. Wir haben wieder wie am Anfang eine Mehrzwecksport- anlage. Aber ohne Eis. Anm. des Autors: Wenn Klingenthal ein touristischer Wintersportort sein will, gehört auch ein überdachtes Eisstadion dazu. Im Vogtland wäre das ein Alleinstel- lungsmerkmal. Vielleicht gelingt es, eine Lobby dafür aufzubauen. KG


