Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht, was haben die gemeinsam? Auf den ersten Blick sicher nichts. Anders betrachtet allerdings schon, nämlich: Allen fehlt was und es werden immer mehr. Bei dem einen ist das eine gute Nachricht, bei dem anderen nicht, sucht’s Euch aus, welche Nachricht für Euch gut ist.
Damit der Artikel nicht so lang wird, teilen wir ihn ein. Ja, so ähnlich wie Frankfurt, weil es zu groß war.
Fangen wir mal mit den Getränken an:
Ich konnte mir noch vor zwei Jahren kaum vorstellen, ein alkoholfreies Bier oder entalkoholisierten Wein zu trinken. Das Bier schmeckte wie Pappe und der Wein wie Traubenmost, dem man mit Gewalt den Zucker geklaut hat. Dass Alkohol für unsere Gesundheit nicht gut ist, kann keiner leugnen. Trotzdem saufen viele wie die sprichwörtliche Kuh das Zeug in sich rein. Nach dem Motto »Des kleinen Mannes Sonnenschein ist saufen und besoffen sein« kippen sie das Zeug bis der Arzt kommt. Gut, jeder hat das Recht, mit seinem Körper anzustellen, was er will, solange er andere nicht schädigt und das soll hier auch keine Belehrung werden. Für mich kam jedenfalls irgendwann im Frühjahr 2024 der Punkt, zu sagen, ich lass das jetzt mal ganz. Am Anfang hat es mir wirklich Ungemach eingebracht, zu jeder Feier wollte man mir das Saufen wieder beibringen, ob ich einen Entzug machen würde, krank oder blöd wäre, Kopfschütteln beim Kellner, der lieber sein regionales Ostseebier verkaufen wollte und kein alkoholfreies bayerisches Weizen. Tatsächlich ist es so, dass man in Gaststätten beim alkoholfreien Bier nur wählen kann zwischen Pils oder Hellem und Weizen. Vom Weizen kann man meistens eines trinken, aber nur, wenn es kalt ist. Das wissen auch die Wirte, jedenfalls habe ich noch kein warmes Bier in der Gaststätte serviert bekommen. Das letzte warme Bier gab es übrigens in den 80ern in Potsdam auf dem Bahnhof. Das war auch das schlechteste Bier, das ich je getrunken habe. Das beste Bier, was ich je getrunken habe, war übrigens ein Meißner Schwerter aus dem Fass im Domkeller zu Meißen. Das hatte natürlich 5% Alkohol und es war im Jahr 2006. Die Geschichte dazu braucht auch einen extra Text, weil die schön und auch ein wenig lustig ist und mit der »Fußball WM bei Freunden« zu tun hat.
Zurück zu den Getränken. Wir sind immer gerne in Weinanbaugebiete gereist. Durch meinen Job sind immer nur 5 Tage und die über das Wochenende möglich. So 600-700 Kilometer, na ja vielleicht auch mal 800 km sind da möglich. Das reicht für den Elsass, Südtirol, Venetien, Österreich und natürlich auch alle Regionen in Deutschland. Dänemark wäre auch drin, aber da gibt es nicht so viel Weinbau. Es ist ja auch ständig eine Zeitung zu machen. Ich habe es zwar einmal geschafft, einen Teil im Urlaub am Mac Book zu machen, Internet und Dropbox sei Dank. Aber besser ist es natürlich im Büro mit zwei großen Bildschirmen. Auf diesen Reisen war denn der Kofferraum beim Heimweg zur Hälfte mit Weinkartons gefüllt. Den Wein konnte man vor Ort probieren und was gefiel, kaufen. Alkoholfreien Wein habe ich bei diesen Besuchen nicht gesehen aber wohl auch nicht gesucht.
Heute suche ich nach den alkoholfreien Kollegen, beim Wein und auch beim Bier. Ich sage Euch, das ist nicht einfach, gar nicht. Der Kauf im Supermarkt war der erste Versuch. Ich hatte absolut keine Ahnung, worauf es beim Kauf eines Alkoholfreien Weines ankam. Das Ergebnis hatte mit Genuss nichts zu tun. Eher war es Folter. Der zweite Versuch ging über einen Internethändler. Man konnte ein Probierpaket bestellen. Die Flasche Wein für zwischen 13 und 17 Euro. Pfui Teufel, hat das Zeug schlecht geschmeckt. Eine Karte lag in dem Paket mit einer Emailadresse. Man sollte seine Erfahrung mailen. Das habe ich gemacht und sogar Antwort bekommen. Ich würde das falsch sehen, bekam ich als Antwort auf meinen Eindruck. Ich hatte ihm geschrieben, dass man bei Aldi einen Liter Traubensaft für 99 Cent kaufen kann, der besser schmeckt als sein Gesöff für fast zwanzig Euro.
Jetzt nach zwei Jahren und vielen Reinfällen, bin ich fast da, wo ich hin will.
Ich verrate hier nur so viel, dass mein absoluter Favorit aus Frankreich kommt und eine rote Farbe hat. Ich kann das nicht laut sagen, sonst ist beim nächsten Mal das Regal leer, wenn ich hin komme. Das ist mir nämlich bei uns im Edeka passiert. Ein junger Mann stand vor dem mittlerweile gut mit alkoholfreiem Bier sortierten Regal und schaute da rein, wie ich früher, nämlich wie die Sau in das Uhrwerk. Ich griff zielstrebig nach meinem Favoriten und der Kerl fragte mich, ob man das trinken könne was ich bestätigte. Beim Nächsten Mal, als ich kaufen wollte, war da im Regal ein schwarzes Loch. Nun habe ich gelernt, dass man nicht zu viel verraten sollte. Gut, wenn die Mädels im Markt wacher wären, gäbe es nichts zu kritisieren. Aber die tauschen sich lieber über das Erlebte vom letzten Tag aus, als leere Regale aufzufüllen. Vielleicht sollte ich das nicht schreiben, sonst bekomme ich da noch Hausverbot, na ja, vielleicht nehmen sie sich das auch zu Herzen und das Regal ist in Zukunft prall gefüllt.
Jetzt doch ein Tipp für Fans alkoholfreier Biere und Weine:
Helles und Weizen aus Franken sind gut, vor allem aus Krautheim bei Volkach.
Roter Wein und Rosé aus Freiburg an der Unstrut sind auch nicht zu verachten. Die Kellermeisterin ist jung und innovativ. Da wird noch viel Gutes dazu kommen. Jedenfalls nehme ich das an. Ihr erinnert Euch noch an die Geschichte mit dem vergeigten Wein? Ja, es war eher eine Gambe. Die Idee fand ich klasse.
Weißwein hatte ich bis jetzt noch keinen, den man wirklich empfehlen könnte. O. Grimm
