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Als der Wissenschaftler Aribert Dreifelsen eingefroren wurde

Es war 1982, und es war in der DDR. Wie Ihr alle wisst, hatte man um das kleine Land in Mitteleuropa einen Zaun gezogen. Offiziell sollte er den Klassenfeind davon abhalten, uns zu überfallen. Was die da hätten holen sollen, ist mir heute noch ein Rätsel. Eher war der Zaun dazu da, gut qualifizierte DDR Bürger vom Abhauen abzuhalten. Ja, davor hatte man höllische Angst. Vor allem Wissenschaftler, die vielleicht noch an Waffenprojekten arbeiteten, mussten besonders beobachtet werden. Der Molekularbiologe Aribert Dreifelsen arbeitete an einer Methode, Menschen zu klonen und diese Klons dann für viele Jahre zu konservieren. Dazu spritzte man ein besonderes Serum in die Blutbahn, danach wurde der Proband eingefroren. Ähnlich wie in dem Film »Die Fliege« unternahm Dreifelsen einen Selbstversuch. Er wollte dieses Experiment keinem fremden Menschen zumuten. Außerdem war er neugierig, wie es in hundert Jahren so sein würde. Er wies seine drei Assistenten an, die Prozedur genau nach seinen Forschungen durchzuführen. Nachdem der Forscher präpariert war, wurde er bei Minus 295,15 Grad Celsius eingefroren. Für die Wiederbelebung wurde alles handschriftlich dokumentiert und in einen Save gepackt, denn er sollte wie Schneewittchen hundert Jahre schlafen. Im Jahr 2082 wurde Aribert dann aus dem Kühlschrank geholt und über eine Woche lang schonend aufgetaut. Tatsächlich kamen die Vitalfunktionen schnell zurück, ein Erfolg auf ganzer Linie. Nachdem Aribert sich voll akklimatisiert hatte, bekam er eine Zeitung, damit er wusste was so auf der Welt los sei. Ganz Wissenschaftler, verlangte er nach einem Textmarker, um Wichtiges anstreichen zu können. Fünf Stunden erbat sich der Forscher, schließlich war er lange weg. Nach diesen fünf Stunden kamen die Aufpasser in das Labor und fanden Dreifelsen tot vor. Sofort dachte man an ein Scheitern des Experimentes. Ein junger Assistent nahm sich schließlich die Zeitung vor und las die Markierten Stellen. 1. General Motors gewinnt sozialistischen Wettbewerb 2. Grenzkonflikt zwischen DDR und China am Ural 3. Wir gratulieren Erich Honecker zum 170. Geburtstag. Die Obduktion ergab, dass Aribert einem Herzinfarkt erlag. Er hatte sich wohl zu sehr über die Geschehnisse aufgeregt. Auf jedenfalls lag es nicht an der Frosttemperatur, die 22 Grad unter dem absoluten Nullpunkt lag. O. Grimm

Aribert Dreifelsen
Aribert Dreifelsen