Im Herbst 1986 ist der Willi mit seinem Kumpel Hannes, mit dem er auch in Rom war, zur Leipziger Messe gefahren. Der Hannes wieder hat eine Cousine, die Marlies, die immer zur Messe zu ihrer Freundin Nina fährt. Wessis ausnehmen heißt das bei Ihnen. Sie schleichen um die Dicken Benz ihrer Opfer herum und mogeln sich durch einen Vorwand in die unmittelbare Nähe der Aussteller und Besucher aus dem Feindesland. Das Objekt der Begierde: möglichst viele Devisen. Die sollen abgegriffen werden. Sie hatten auch den Spitznamen »Saisonhuren« oder »Messeflittchen«. Die Wohnung von der Nina diente auch dem Willi mit dem Hannes als Schlafplatz während der Messe. Da die beiden kein Westgeld hatten, war das Schlafzimmer der Mädels natürlich Tabu. So kam es, dass die Damen auf Beutezug gingen und weil dem Willi langweilig war, nervte er den Hannes solange, bis der mit ihm in die Stadt ging. Sie setzten sich also vor dem Messehaus am Markt an einen Tisch und ließen sich jeder ein Bier und einen Korn bringen. Das wiederholten sie dann einige Male. So nach der fünften Runde kamen zwei Verkehrspolizisten vorbei, Helmut und Bruno. Sie stöhnten ob der vielen Arbeit und ließen sich neben unseren beiden Klingenthalern nieder. Bestellen mussten sie nicht. Offenbar wusste der Kellner, was sie brauchten und es war schnell serviert. Sie hatten sich gerade den ersten Schaum vom Schnauzer gewischt, da kam auch schon ein Japaner, Fotoapparat amHals, um die Ecke gebogen. Er sah die beiden Ordnungshüter und begann auf sie einzureden. Den Weg wollte er wissen, erst auf Japanisch, eh sinnlos, dann in Englisch, französisch, Russisch. Nix da. Nix verstehnen, niente, nada. Kopfschüttelnd wackelte der Japaner weiter, der Fotoapparat wackelte wütend von der einen auf die andere Seite. Als der außer Sichtweite war meine der Helmut zum Bruno: »Weste, Bruno, des is schoun ’ne dolle Sache, wenn mor sou viele Sprachen spreschen gann.«»Jo, Du schprischst een wahres Wort jelassen aus. Trotzdem hat’s ihm nischte genützt.
