MIB 4, was ist denn das? Keine Angst, es ist weder ein neues Virus, noch ein Unterstamm der Klingonen und gefährlich ist es schon gar nicht. Es ist einfach nur der neue »Modulare Infotainment Baukasten.« Der verrichtet nun auch im Škoda Octavia seine Arbeit und das gar nicht schlecht. Im Verlaufe des Textes gehe ich dazu noch näher ein. Mein erster Octavia war ein metallic grauer, Modell Ende der 90er Jahre, damals 4,50 m lang. Der hatte einen 1,6 Liter Motor ohne Aufladung und Hundert Pferde im Motorraum. Basis war der Golf 4.
Für die damalige Zeit hatte der eine ganz gute Ausstattung mit manueller Klimaanlage, Zentralverriegelung, Sitzheizung, Radio, ich glaube sogar mit CD- Spieler. Die Fahrwerkauslegung war eher weich; wenn man sich auf die Ladekante des Kofferraums setzte, konnte man durch das Schaukeln ein herzhaftes Kinderlachen erzeugen. American Way of Drive 2.0. Heute ist das gaaanz anders, vor allem, wenn man in einer Sportline oder im RS sitzt. Die Sportline Ausstattung gibt es im Konfigurator ab knapp unter 40.000,- €, die Basis, Essence genannt, ab 29.840,- €. Die Ausstattungsliste in der Essence ist nicht zu lang, allerdings ist das, was der 90er Jahre Wagen hatte, auch schon alles drin. Natürlich sind auch Spurwechsel Assistent & Co. mit an Bord. Noch anzumerken wäre, dass der Octavia jetzt 4,70 m misst. Das ist so lang, wie der letzte Passat also schon ein richtig großer Kombi. Der Passat kratzt jetzt, wie der Superb, an der Fünf Meter Grenze. Der Golf Variant misst 4,63m. Der Kofferraum ist richtig tief, man macht sich an der Stoßstange schmutzig, will man an die Rücksitzlehne kommen. Braucht man aber nicht, umlegen kann man, ohne sich lang zu machen. Das Fotomodell ist eine Sportline, 150 PS, Benziner, Mild Hybrid, Automatik. Beim Kurvenfahren steht er einem Dreier nicht nach, allerdings scharrt der Frontantrieb kräftig mit den Hufen, wenn es der Gasfuß an Sensibilität vermissen lässt. Beim Antrieb würde ich persönlich eher den Diesel nehmen. Der hat bei gleicher Leistung über Hundert Newtonmeter mehr an Drehmoment. Das merkt man, wenn man auf der Landstraße überholen will. Für richtigen Fahrspaß gibt es dann noch den RS mit 2 Litermotor und 265 PS. Allerdings hat der keinen Allradantrieb. Den hat der Zweiliter TSI mit 204 PS und 320 Nm Drehmoment. Das sind zwar immer noch weniger Drehmoment als beim 150 PS TDI allerdings lässt sich der wegen des Allradantriebes deutlich sportlicher bewegen. Zusammen mit den Sportlinesitzen ist das eine echte Spaßmaschine. Was heute immer wichtiger wird, ist das Entertainment System. Da gibt es jetzt das MIB4 aus dem VW Regal. Die Bedienung des Ganzen ist passabel. Vieles geht am Lenkrad und dann sind noch die Shortcuts. Das sind bis zu acht Schnellbedientasten unterhalb des Displays. Die sind noch richtig haptisch, also sie klicken richtig, wenn man darauf drückt. Die Bedienung über das Display hat mich angenehm überrascht, alles läuft flüssig und reagiert prompt. Rätsel aufgeben tut es auch nicht. Das Schalthebelchen zwischen den Sitzen reagiert auf antippen und wenn man in den Sportmodus des Getriebes wechseln will, tippt man kurz nach hinten. Das macht am Berg vor eine Kurve Sinn, dann kommt man nach dem Scheitel besser raus. Man muss sich aber daran gewöhnen, wenn man den alten Automatikwählhebel gewohnt ist. Ich habe schon auch einmal ins Leere gegriffen. Man kann aber auch mit den Schaltpaddeln am Lenker von Hand schalten, allerdings muss man wieder am Gnubbel ziehen, will man wieder in den Automatik Modus. Was dabei richtig neu ist: Hält man an, braucht man nicht mehr in P schalten und auch keine Handbremse anziehen. Das macht das Auto selbst. Man hält einfach an und schaltet den Motor aus. Schaut aber vorsichtshalber noch mal nach, der Fahrer ist immer verantwortlich. Beim Losfahren muss man dann die Fahrstufe noch einlegen und natürlich schauen, ob was kommt. Das kann er nämlich noch nicht. Wenn wir jetzt einen Strich drunter ziehen, dann hat man mit der Essence und dem schwächsten Motor (115 PS, 1,5l Hubraum, 4 Zylinder) und Handschaltung alles, was man braucht, denn der üppige Platz und ein ordentliches Fahrwerk sind immer mit dabei. Damit kommt man jederzeit gut und sicher von A nach B. Die Dreizylinder mit einem Liter Hubraum sind beim Octavia passé. Für Fahrer, die aktiver unterwegs sein wollen, bietet sich der 204 PS Benziner mit Allrad an, Fahrspaß inklusive. Das wäre jetzt meine Wahl. Die 62 PS mehr, die der RS hat, würde ich persönlich nicht brauchen. Der passt für Leute, die GTI Feeling wollen und Platz brauchen, also quasi Renn-Papis. Ein GTE Pendant gibt es beim Octavia nicht, also keinen Plug In Hybrid. Der ist dem größeren Superb und dem Kodiaq vorbehalten. Einen Mild Hybrid kann man haben. Das ist der 1,5 TSI mHEV mit 48 Volt Bordsystem, 150 PS und Automatik. Für alle, die gerne mit ihrem Auto sprechen, gibt es hier noch eine sehr gute Nachricht: Das Sprachbediensystem, es hört jetzt auf »Laura« und es spielt endlich richtig mit. Egal, was ich ihm anschaffe, es wird erledigt. In älteren Modellen hat es schon manchmal ein wenig gehakt. Das ist jetzt vorbei. Herzlichen Dank an Ulrich Schimmack und an die Škoda Keller Gruppe (Falkenstein, Schwarzenberg, Plauen).
PS: Egal, wofür das Herz schlägt, eine Probefahrt hilft in jedem Fall. Die Charaktere der einzelnen Motorisierungen sind schon sehr unterschiedlich, allerdings ist sicher für jedes Temperament etwas dabei.
O. Grimm



