Digitalisierung ist das Lieblingswort unserer Politiker. Alle, besonders die Freien Demokraten, die lieber nicht regieren als falsch zu regieren, nehmen das gerne mehrmals täglich in den Mund und
erhoffen sich davon womöglich Wählerstimmen. Fakt ist, dass wohl jetzt auch durch den ganzen Coronamist, das Thema neu beflügelt wird. Aber mal der Reihe nach. Was ist jetzt eigentlich digital,
was muss ich mir darunter vorstellen. Gut, die Bezeichnung kommt von dem lateinischen Wort digitus, was Finger heißt. In der Technik heißt digital einfach nur, dass Informationen mithilfe einer
begrenzten Anzahl von Ziffern dargestellt bzw. übermittelt werden. In der Schule schon haben wir das binäre System kennen gelernt wo mit den Zahlen 1 und 0 alle Informationen dargestellt werden
können und zwar eindeutig. Jeder Computer nutzt dieses System. Beim Drucken ist es auch nicht anders. Ein Punkt wird entweder gedruckt oder nicht und das in drei Farben + Schwarz als Kontrast
stellen ein Bild dar. Seit der Erfindung des Buchdruckes ist das so. In der heutigen Zeit wird Digitalisierung oft auch ein Synonym für Modernisierung und die digitale also elektronische
Speicherung von Daten eben ohne Papier verwendet. Man kann also durchaus sagen, dass man die Digitalisierung als Modernisierung unserer Welt durch immer neuere Technologien begreifen muss,
nicht mehr aber auch nicht weniger. Man kann die Menschen heute in »Digital Natives« und »Digital Immigrants« einteilen also die, welche in das digitale Zeitalter hinengeboren wurden und solche,
die hinein leben. Letztere haben es oft schwer, sich darin zurecht zu finden. Das Bild, wo der zehnjährige Enkel dem siebzigjährigen Opa das Smartphone erklärt, sagt alles. Daraus könnte man auch
schlussfolgern, dass überall dort, wo Digital Natives die Geschicke lenken, schneller digitalisiert wird als dort, wo die Digital Immigrants lenken. Das ist natürlich sehr klischeehaft aber
irgendwie stimmt‘s doch, oder? Fakt ist, dass sich Menschen, die sich schon lange mit Medien und Computern beruflich beschäftigen, einen besseren Zugang zu Neuem haben als jene, die den
Computer als notwendiges Übel betrachten, weil es der Arbeitgeber vorschreibt. Die Medienbranche und die moderne Medizin sind bei der Entwicklung von Technologien Vorreiter. Denken wir nur an
moderne Bildgebungsverfahren bei der Diagnostik oder die Datenübertragung über die ganze Welt ohne irgendein Kabel. Mitarbeiter einer Firma in Europa bzw. Amerkia können gleichzeitig an Projekten
arbeiten weil die Daten dazu im Internet gespeichert sind und jeder darauf Zugriff hat. Mal ehrlich, die Digitalisierung hat schon längst stattgefunden. Dort wo modernes Arbeiten für die Existenz
des jeweiligen Unternehmens notwendig ist. Dort, wo es auch ohne geht, wird man halt noch ein wenig darauf warten müssen. Mit Gewalt alles zu digitalisieren macht auch ehrlich keinen Sinn. Ja,
autonomes Fahren, stellt Euch mal vor, Ihr gebt beim Navi Frankfurt ein weil Ihr ein Eintrachtspiel sehen wollt und wacht früh an der polnischen Grenze auf, weil der Wagen da was falsch
verstanden hat. Alles hat eben zwei Seiten. Vielleicht heißt ja Digitalisierung auch einfach, den Finger mal drauf zu haben. O.G.
